Janicki sprintet zum Hattrick

DatumSonntag 27. April 2008 
Datum Uwe Sonntag 
Kategorie: Oberelbe Marathon Pressemeldungen

DNN, 27. April 2009 Leichtathletik: 4700 Starter beim 12. Oberelbe-Marathon/Verspäteter Start nach Todesfall

Dresden (DNN). Uwe Sonntag blieb am gestrigen Morgen fast das Herz stehen. Als er die Nachricht bekam, dass sich auf der Bahnlinie zwischen Rathen und Königstein ein Mann in selbstmörderischer Absicht vor den Zug geworfen hatte und die Strecke für Stunden gesperrt werden musste, blieb den Veranstaltern des Oberelbe-Marathons um ihren Organisationschef nichts anderes übrig, als schnell zu reagieren und zu improvisieren. Der Marathon-Start in Königstein wurde um eine Stunde verschoben, die Läuferinnen und Läufer kurzfristig mit Shuttle-Bussen von Dresden zum Startort transportiert. Sowohl Sonntag und seine Crew als auch die Teilnehmer meisterten den Zwischenfall mit Bravour und äußerst professionell und so wurde die 12. Auflage des beliebten Landschaftsmarathons trotz aller Widrigkeiten zu einem vollen Erfolg. Lediglich die erzielten Zeiten blieben ein wenig hinter den Erwartungen zurück, doch den Läuferinnen und Läufern machten die schon hochsommerlichen Temperaturen, die durch die Zeitverschiebung noch mehr zum Tragen kamen, zu schaffen.
Auch Dauerbrenner Jaroslaw Janicki aus Polen hatte sich viel vorgenommen, wollte den Streckenrekord seines Landsmanns Tomasz Wilczynski (2:25:09) knacken. Das schaffte er nicht, aber dennoch strahlte er im Ziel mit der Sonne um die Wette. Immerhin gelang ihm ein klassischer Hattrick: Zum dritten Mal in Folge trug sich der mittlerweile 43-Jährige in die Siegerliste ein. Dabei lieferte sich auf der abschließenden Stadionrunde im Heinz-Steyer-Stadion mit seinem polnischen Landsmann Lukas Panfil ein echtes Sprintfinale. Unter dem Beifall des Publikums setzte er sich gegen den 14 Jahre jüngeren Konkurrenten durch und erreichte das Ziel in 2:29:50 Stunden. Drei Sekunden später sicherte Lukas Panfil den polnischen Doppelerfolg. Platz drei ging an Marco Diehl vom TSV Friedberg-Feuerbach, der für die 42,195 Kilometer 2:32:09 Stunden benötigte. Der 40-jährige Diel, der aus dem Allgäu stammt, gehört zu den schillerndsten Läuferpersönlichkeiten im Lande. Im Jahr 2007 wurde er zu "Deutschlands fittestem Manager" gewählt und erreichte im gleichen Jahr in Frankfurt mit 2:28:05 seine bisherige Marathon-Bestzeit. In Dresden gab der diplomierte Mathematiker und Betriebswirtschaftler, der den Technologiebereich für Citigroup in Deutschland leitet, sein Debüt. "Eigentlich wollte ich unter 2:30 laufen, doch durch die eine Stunde Zeitverschiebung war es dafür zu heiß", so Diehl, der jedoch den Organisatoren ein dickes Kompliment machte: "Hut ab, dass man so flexibel reagiert hat. Insgesamt war die Stimmung toll und ich komme bestimmt nächstes Jahr wieder", versprach der Dritte, der immerhin schon über 75 Marathonläufe bestritten hat. Bei den Frauen gelang Simone Maissenbacher aus Karlsruhe dann doch noch die erhoffte Rekordverbesserung. Die 33-Jährige lief nach 2:50:42 Stunden über die Ziellinie und verbesserte die alte Rekordmarke, die bei knapp drei Stunden lag, deutlich. Sylvia Renz aus Berlin belegte in 2:57:35 Stunden Platz zwei vor Judith Iseller (3:04:38). "Wir hatten ziemlich spät im Bus gesessen und gedacht, wir schaffen es gar nicht mehr zum Start", berichtete die Siegerin von den Turbulenzen am Morgen. "Eigentlich hatte ich mir eine Zeit um die 2:45 Stunden vorgenommen, doch ich bekam zwanzig Kilometer vorm Ziel Magenkrämpfe. Deshalb ging die letzten Kilometer dann gar nichts mehr", gestand Simone Maissenbacher, die zu den 500 Euro Siegprämie noch 250 Euro Bonus für den Rekord sowie 200 Euro Sprintprämie in Pirna erhielt. Die Strapazen hatten sich für die Karlsruherin also gelohnt. Einen neuen Streckenrekord erreichte im Halbmarathon der Frauen die Berlinerin Sylvia Jacobs in 1:25:49 Stunden. Sieger bei den Männern über diese Distanz wurde Henrik Wagner (LSV Dresden) in 1:11:26 Stunden. Über die 10 km zeigte sich der Pirnaer Wolfram Müller in glänzender Verfassung und stellte in 30:30 Minuten einen neuen Streckenrekord auf. Extra aus Tübingen angereist war die Ex-Dresdnerin Jana Bürgelt, die in 38:53 Minuten die 10 km bei den Damen gewann. Im Läuferfeld konnte man auch diesmal viele bekannte Gesichter entdecken. So zum Beispiel Fußball-Idol Ralf Minge, der den ersten Halbmarathon seines Lebens absolvierte. gemeinsam mit Tochter Nadja erreichte er in 2:12:26 Stunden das Ziel im Steyer-Stadion. "Meine Tochter hat mich animiert mitzumachen. So habe ich mich relativ spontan vor drei Wochen entschlosssen und auch ein wenig trainiert", erzählte Minge, der die Distanz lockerer bewältigte als gedacht. "Vom Kreislauf her war alles bestens, da hätte ich sogar noch weiterlaufen können. Nur die Oberschenkel wurden etwas fest. Ich habe eben doch Fußballer-Beine", grinste er.

Astrid Hofmann

zurück nach oben